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Die Geschichte von Möhra


In den kurfürstlich-sächsischen Amtsdörfern am Westrand des Thüringer Waldes war im 15. Jahrhundert eine wirtschaftlich und rechtlich besonders gutgestellte Klasse der ländlichen Bevölkerung ungewöhnlich stark vertreten; die sogenannten Erbzinsleute.
Diese Erbzinser waren, wie schon ihr Name andeutet, noch alle den kleinen geistlichen und weltlichen Herren des Werratales zinspflichtig, aber da der Zins, den sie zu entrichten hatten, nicht an ihrer Person, sondern an den Grundstücken haftete, die ihren Vorfahren einst von jenen Herren als Erblehn überlassen worden waren, und sie nicht hinderte, ihre Güter nach Gutdünken zu veräußern oder zu vererben, so bildeten sie schon seit dem Hochmittelalter einen Stand freier Grundbesitzer und hatten tatsächlich nur mehr einen einzigen Herren: den Kurfürsten.
Der Kurfürst griff jedoch vor Erlaß der Amtsordnung von 1513 nur selten in die dörfliche Selbstverwaltung ein. Sie konnten somit in ihrem Dorfe auch meist ganz ungestört alle Rechte einer "herrschenden Gemeinde" üben: den Schultheiß und die anderen Dorfbeamten ernennen, Ortsgesetze erlassen, Geldbußen verhängen, die Gemeindekasse verwalten und, was die Hauptsache war, unter Ausschluß der völlig rechtlosen unfreien Hintersiedler, die höchstens ein haus und einen Garten besaßen, oft aber nur sogenannte Einlieger waren, die Nutzung der Gemeindewälder, -felder, -weiden, -gewässer usw. unter sich verteilen.

Danach begreift man, daß es ihnen in der Regel keine Mühe machte, die von den Kurfürsten ihnen auferlegte Steuer von einem Gulden für jedes Gespann Zugvieh aufzubringen, und daß sie gar nicht selten in der Lage waren, sich ein paar Pferde und etliche Knechte zu halten. Sie wären aber doch wohl alle im Laufe der Zeit in den Stand der Hintersiedler hinabgesunken, wenn sie nicht grundsätzlich nur untereinander geheiratet und ihre Güter stets ungeteilt auf den jüngsten Sohn vererbt hätten. Die älteren Söhne mußten infolgedessen, wenn sie nicht in ein anderes Gut einheiraten konnten oder zeit ihres Lebens dem Jüngsten als Knecht dienen und auf die Gründung einer eigenen Familie verzichten wollten, immer außerhalb des Dorfes ein Unterkommen suchen.

So erreichte man, daß die Zahl der "spannfähigen" Höfe und der das Gemeindewesen mitbestimmenden Familien Jahrhunderte hindurch sich ungefähr gleichblieb. Aber für die Familien selbst hatte dies Verfahren doch recht schwere Nachteile. Sie starben zwar nur selten ganz aus, aber sie verloren in der Regel schon nach mehreren Generationen ihr Stammgut und entschwanden für immer aus dem Dorf. Allein einer jener letzten Erbzinsfamilien ist es trotzdem gelungen, sich bis ins 20. Jahrhundert in ihrem Stammort zu behaupten: der Familie Luder oder Lüder zu Möhra. Sie besaß in Möhra 1536 ganze fünf Höfe.

Aber auch in den Nachbardörfern war sie in jener Zeit so verbreitet, daß Martin Luther, als er im Mai 1521 von Eisenach nach dem Rennsteig fuhr, den Eindruck hatte: sein Geschlecht nehme "fast die ganze Gegend ein". Wir dürfen daraus wohl schließen, daß die Luders damals schon seit Jahrhunderten in diesem alten Grenzgebiet zwischen Thüringen und Franken ansässig waren. Sicher bezeugt ist allerdings vor 1500 auch in Möhra nur derjenige Zweig der Familie, dessen Haupt um 1480 der Großvater des Reformators, Heine Luder (gestorben 1510), war. Dieser Heine Luder und seine Frau, die erst 1521 hochbetagt in Möhra starb, hatten nachweislich vier Söhne: Groß-Hans, Klein-Hans, Veit und Heinz. Heinz hatte als Jünster die Anwartschaft auf den väterlichen Hof. Groß-Hans aber entschloß sich spätestens im Herbst 1483, mit seinem jungen Weib Margarethe, geb. Lindemann aus Eisenach, und seinem erstgeborenen Sohn die Heimat zu verlassen und in den Kupferbergwerken der Grafschaft Mansfeld sein Glück als Bergmann zu versuchen. Er wandte sich zunächst nach dem Hauptorte der Grafschaft, Eisleben.

Wird fortgesetzt!